Kontrolle der Dachstühle

Dachstühle erfüllen eine wichtige Aufgabe in einem Gebäude: sie tragen das sprichwörtliche Dach über dem Kopf. Das dort verbaute Holz ist allerdings Insekten permanent und durch Pilze bei erhöhter Holzfeuchte gefährdet. Eine Zerstörung durch diese Schadorganismen ist gerade in der Anfangsphase nur schwer zu erkennen. Holz zerstörende Pilze wachsen häufig versteckt und nicht sichtbar für den Laien und Holzschadinsekten können nur anhand ihrer spezifischen Ausfluglöcher erkannt werden.

Allein die Kenntnis dieser Symptome reicht noch nicht aus, um einen Befall richtig einzuschätzen und ein kostengünstiges Sanierungskonzept abzuleiten. Die Erneuerung ganzer Dachstühle bei kleinsten Anzeichen für Befall ist daher oft gängige Praxis.

Ihr Dachstuhl wurde vorbeugend behandelt? Die Wirkung chemischer Holzschutzmittel lässt im Laufe der Jahre nach. Holzschutzmittel, die vor 1980 verwendet wurden, sind heute kaum noch im Holz nachzuweisen und häufig bereits unwirksam. Aber auch Holzschutzmittel, die nach diesem Zeitpunkt zum vorbeugenden Schutz eingesetzt wurden, sind in sehr vielen Fällen nicht mehr ausreichend wirksam, weil die Mindesteinbringmengen bei der Imprägnierung nicht eingehalten wurden. Das imprägnierte Holz ist nicht Gegenstand der bauaufsichtlichen Zulassung, daher fehlt eine übergreifende Kontrolle der Tränkbetriebe.

Mit großer Sorge beobachten wir den Trend auf dem Bau, generell auf die Verwendung von Holzschutzmitteln zu verzichten - auch dort wo ihre Verwendung dringend angeraten ist. Mit zum Teil sehr zweifelhaften Studien von Interessensverbänden und mit sowohl wissenschaftlich (2010, Bundesanstalt für Materialprüfung in Berlin, anläßlich der Holzschutztagung in Göttingen) als auch aus der Praxis heraus widerlegbaren Argumenten wird der Bauherr desinformiert, dass z. B. trockenes Holz und Konstruktionsvollholz (KVH) nicht von Insekten befallen wird. Die derzeit gültige Baunorm (DIN 68 800 Teil 3) nimmt beim Verzicht auf den insekten-vorbeugenden Schutz schon jetzt billigend in Kauf, dass dem Hausbesitzer Kosten für Bekämpfungmassnahmen im 4- bis 5-stelligen Bereich und ggf. Kosten für Rückbaumassnahmen im 5- bis 6-stelligen Bereich entstehen. Sie wird damit dem Anspruch den Stand der Technik darzustellen nicht mehr gerecht. Weitere Informationen finden Sie hier.

Aus diesem Grund wurde unter der Mitwirkung des HÜV in der neuen DIN 68 800 (Holzschutz im Hochbau) der Hinweis aufgenommen, dass Dachstühle ohne Holzschutzmittel als solche zu kennzeichnen sind. Zudem muss dann auch der Hinweis deutlich sichtbar angebracht werden, dass diese Dachkonstruktionen ohne Holzschutzmittel regelmäßig zu kontrollieren sind. In dieser DIN wird, wie in der alten Fassung auch, in Kauf genommen, dass ein Befall stattfinden kann und es muss dann früh genug der Befall bekämpft werden, bevor die Tragfähigkeit des von Insekten befallenen Holzes nicht mehr gegeben ist. Hier kann großer Schaden durch die regelmäßige Kontrolle vermieden werden.

Bei all diesen Überlegungen zum Verzicht auf vorbeugend wirksame Holzschutzmittel werden leider die Pilze vergessen. Die Sporen sitzen schon seit dem Einbau des Holzes auf der Holzoberfläche und warten auf geeignete Bedingungen. Ungeeignete Wärmedämmungen, Tauwasser und allgemein die fehlende Hinterlüftung von Dächern (sogenannte Warmdach-Konstruktionen) ermöglichen geeignete Bedingungen zum Keimen dieser Sporen. Unbemerkt wird die Dachkonstruktion zerstört. Begünstigt wird die Bildung von Feuchte in Dachkonstruktionen weiterhin durch die derzeitige Norm zur Wärmedämmung, die Konvektionsraten zulässt, bei denen der Anfall mehrerer Liter Kondenswasser in wenigen Wochen billigend in Kauf genommen wird.

Und ein hohes Alter des Holzes schützt leider auch nicht vor Befall, denn Insekten und Pilze befallen altes wie junges Holz. Das zeigen die Untersuchungen der Bundesanstalt für Materialprüfung in Berlin. dort wurde nachgewiesen, dass in mehrere hundert Jahre altem Holz sich die Larve des Hausbocks völlig normal entwickeln kann. Bei diesem alten Holz fehlt lediglich die Lockwirkung gegenüber dem Hausbock-Käfer. Ist aber junges (bis 60 Jahre alt) im Gebäude, dann werden die Käfer angelockt. Ist neues Holz imprägniert, geschieht die Eiablage in aller Regel im alten, nicht imprägnierten Holz.

Beugen Sie also in Zukunft unkalkulierbaren Sanierungsrisiken vor, indem Sie Ihren Dachstuhl regelmäßig überprüfen lassen. Das sind Ihre Vorteile einer regelmäßigen Überprüfung:

  • Frühzeitiges Erkennen von Befall mit Holzschädlingen

  • Geringere Kosten für die Bekämpfung von Holzschädlingen im Anfangsstadium ihrer Entwicklung

  • Werterhaltung des Gebäudes durch Vermeidung von ausgeprägten Holzschäden

  • Wertsteigerung bei Verkauf eines Altbaus

  • Erfüllung der geforderten Eigentümerpflichten gemäß Landesbauordnung

  • Sicherung der Gebrauchstauglichkeit

Die Kontrolle eines Dachstuhls muss nicht in jedem Jahr durchgeführt werden, hier reicht ein zweijähriges Kontrollintervall. Voraussetzung ist lediglich ein begehbarer Spitzboden. Auch Revisionsöffnungen in Flachdächern sind ausreichend. Je mehr zugänglich ist, um so besser

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